Arbeit mit Häftlingen: Das Leonhard-Mentorenprogramm

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Arbeit mit Häftlingen: Das Leonhard-Mentorenprogramm

Die Weihnachtszeit und das Neujahrsfest bieten gute Gelegenheit, Rückblick zu halten auf das vergangene Jahr. Vor gut einem halben Jahr habe ich über meine geschätzte Kollegin Bettina Stackelberg geschrieben, die mich als Mentor für das Leonhard-Mentorenprogramm gewonnen hat. Es bietet Strafgefangenen die Chance zur beruflichen und wirtschaftlichen Weiterqualifizierung während der Haft und begleitet sie auf dem Weg ins Berufsleben nach ihrer Entlassung. Die Mentoren, zum Beispiel Coaches wie ich oder Businessplan-Experten, unterstützen die Teilnehmer des Programms dabei, sich für eine Anstellung zu qualifizieren oder sich später mit einer Geschäftsidee selbständig zu machen.

Reintegration und erstklassiges Know-how

Das Programm ist vielfältig und professionell, verlangt den Teilnehmern auch einiges ab. Dafür bekommen sie erstklassiges Know-how und eine echte Perspektive für ihre Reintegration in Gesellschaft und Beruf. Viele kommen aus prekären Verhältnissen und sind Menschen, an die noch nie jemand geglaubt hat. Das Erstaunliche war nun, während des Verlaufs und regelmäßiger Besuche mitzuerleben, welche Persönlichkeitsentwicklung mancher der Teilnehmer durchläuft, welches Potential und welche Ideen in ihnen stecken und welchen Willen die meisten entwickeln können. Immerhin beträgt die Rückfallquote nach Durchlaufen des Leonhard-Programms nurmehr etwa 13 statt der üblichen 46 Prozent.

Speed-Dating mit Häftlingen

Die Anforderungen sind nicht von Pappe: In einer Art Speed-Dating müssen die Häftlinge an Vierer-Tischen ihre vorher ausgearbeiteten Businesspläne für die eigene Zukunft vorstellen. Nur zwei der vorgestellten Ideen schienen mir persönlich schwer realisierbar, viele boten dagegen sehr gute Ansätze. Das ist ermutigend! Aufgrund ihrer Vergangenheit ist für viele der Weg zurück ins Angestelltendasein schwierig und die Selbstständigkeit das Mittel der Wahl. Wir Mentoren geben dazu Tipps und Feedback. Im 15-Minuten-Takt werden die Pläne besprochen, auf diese Weise lernt man gut und gerne 20 Ideen kennen. Ganz gut geschlagen hat sich auch der von mir betreute Teilnehmer, der demnächst aus der Haft entlassen werden soll. Auch hier geht es letztlich darum, Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen. Manche haben davon wohl zum ersten Mal gehört, aber es ist erstaunlich, welches Potenzial in jedem Einzelnen steckt.

Mehr über Leonhard und das Mentorenprogramm erfahren Sie auf der Projekt-Website.

Bis 31. Dezember 2017 läuft zudem gerade eine Spendenaktion zur Finanzierung des 13. Leonhard-Kurses, der im Januar starten soll.

Bild: Leonhard-Mentorenprogramm, www.leonhard.eu

By |2018-05-24T12:17:00+00:0004. Dezember 2017|Categories: Business Coaching|Tags: , , , , , , |Kommentare deaktiviert für Arbeit mit Häftlingen: Das Leonhard-Mentorenprogramm

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Der promovierte Informatiker Dr. Markus Blaschka startete seine Karriere als Projektmanager für die IT- und Automotivebranche. Heute coacht er Projektleiter und entwickelt maßgeschneiderte Projektmanagement-Konzepte für Betriebe. Unterstützt wird er dabei von einem mittlerweile 20-köpfigen Team. Markus Blaschka ist darüber hinaus bundesweit als Management-Trainer, Executive und Business Coach tätig und zählt bekannte Mittelständler wie Konzerne zu seinen Referenzen. Mit großer Expertise und Leidenschaft widmet er sich dabei den Themenfeldern Gesund Führen, Stressmanagement und Burnout-Prävention sowie Führungsthemen wie Entscheidungsfindung, Karriere und Konfliktberatung. Ein weiteres Arbeitsfeld, dem er sich verstärkt widmet, ist das noch relativ junge Biografie-Coaching. Weitere Herzensprojekte im Coaching sind für Markus Blaschka die Themen Hochsensibilität und Konflikte der Kriegsenkel-Generation sowie spezielle Methoden, etwa Embodiment. Seit 2003 führt Markus Blaschka sein eigenes Beratungsunternehmen mit Sitz in Oberbayern. Sein profundes Wissen gibt er als zertifizierter Ausbilder weiter.